Bitte hilf mir!

Shownotes

In dieser Folge spreche ich über ein Thema, das mich persönlich tief berührt: das Annehmen von Hilfe. Lange Zeit war ich davon überzeugt, alles alleine schaffen zu müssen. Bloß niemandem zur Last fallen – das war mein inneres Mantra. Vielleicht kennst du dieses Gefühl auch? Ich teile mit dir meine Erfahrungen aus einer Zeit, in der ich mich stark gefühlt habe, weil ich durchgehalten habe – und dabei übersehen habe, wie sehr ich mich eigentlich nach Verbindung, Mitgefühl und Unterstützung gesehnt habe. Wir werfen gemeinsam einen liebevollen Blick auf die Gründe, warum es uns oft so schwerfällt, Hilfe zuzulassen – und warum gerade darin so viel Stärke liegt. Ich lade dich ein, dich selbst zu fragen: Wo trägst du gerade zu viel alleine? Und was könnte entstehen, wenn du dir erlaubst, dich halten zu lassen? Am Ende der Folge stelle ich dir noch eine kleine Meditation vor – „Die Erlaubnis, dich halten zu lassen“ – die du im Anschluss gern anhören kannst. Vielleicht ist genau jetzt der Moment, um loszulassen und dich anlehnen zu dürfen.

Mehr über mich und meine Arbeit findest du hier.

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00:00:00: Ich selber habe Zeiten erlebt, in denen ich mich durch alles alleine durchgekämpft habe.

00:00:26: Es war für mich total normal.

00:00:29: sich an Vertrauen und um Hilfe bitten.

00:00:32: Das gehörte irgendwie in meiner Familie nicht zu den Dingen, die alltäglich waren oder vielleicht sogar nicht als wirklich wichtig erachtet wurden.

00:00:44: Jeder hat da so, wie man so schön sagt, seine eigene Suppe ausgelöffelt.

00:00:50: bloß niemandem zur Last fallen war so mein Motto, denn die Eltern haben ja selber so viel um die Ohren und da ist einfach kein Raum für Mitgefühl und Zuwendung.

00:00:59: Und so hat sich diese Eigenschaft, das immer stark sein müssen und durchhalten, immer weiter in mir ausgebreitet und hat so viel Raum eingenommen, dass ich irgendwie begonnen habe, die Ereignisse, die mich belasteten und mit denen ich auch wirklich große Schwierigkeiten hatte, sie zu verarbeiten, überhaupt nicht mehr als wichtig zu erachten.

00:01:32: Aber innerlich, da spürte ich, wie es mich zerfrisst, wie ich mich immer mehr zurückzog, weil ich einfach irgendwie gar nicht mehr klar kam.

00:01:45: Und diese Glaubenssätze und Wunden, die haften an mir eigentlich immer noch wie so ein altes Kaugen mir an einem Schuh.

00:01:58: Und ich bin mir ganz sicher, dass es unendlich vielen so geht wie mir.

00:02:04: Manchmal glauben wir, stark zu sein bedeutet, alles alleine schaffen zu müssen.

00:02:09: Wir lächeln, obwohl es in uns richtig schreit und weint.

00:02:16: Wir funktionieren, obwohl die Seele flüstert, ich kann nicht mehr.

00:02:20: Doch wahre Stärke liegt doch gar nicht darin, niemals zu fallen, sondern eher darin, dass wir uns helfen lassen, wenn wir gefallen sind.

00:02:34: Wir leben alle in einer Welt, in der Unabhängigkeit so idealisiert wird.

00:02:40: Selbstoptimierung, Durchhalte, Vermögen, Disziplin.

00:02:44: Das sind Werte, die uns geprägt haben, die mich auch wirklich geprägt haben.

00:02:54: Und dabei vergessen wir nur leider oft, dass wir Menschen eben soziale Wesen sind.

00:03:02: Und unsere Gehirnstrukturen und unser Nervensystem sind einfach zu hundert Prozent auf Verbindung, auf Gemeinschaft ausgelegt.

00:03:13: Und wenn wir Unterstützung annehmen.

00:03:16: Wenn wir uns gesehen und gehalten fühlen, nur dann reguliert sich unser Nervensystem und nur dann kann ein Heilungsprozess in Gang kommen.

00:03:28: Aber warum?

00:03:29: Warum ist das eigentlich so schwer?

00:03:30: Warum fällt es uns so unendlich schwer, Hilfe anzunehmen?

00:03:37: Viele von uns haben, glaube ich, gelernt, Ich darf niemandem zur Last fallen oder ich muss stark sein, sonst verliere ich die Kontrolle.

00:03:50: Und wenn ich vertraue, dann laufe ich gleichzeitig auch Gefahr enttäuscht zu werden.

00:03:56: Also am Ende entscheide ich mich dann doch wieder für das Alleine.

00:04:03: Alleine gehen, alleine aushalten.

00:04:05: Und diese inneren Glaubenssätze, das sind oft ganz alte Schutzmechanismen.

00:04:13: Sie stammen einfach aus Zeiten, meistens schon in der Kindheit angelegt, in der Zeit, als wir wirklich Vertrauenspersonen brauchten, die uns quasi korriguliert haben, also aus Zeiten, in denen wir uns einfach nicht sicher gefühlt haben, in denen wir uns nicht genügend ja gesehen gefühlt haben, oder in denen wir nicht genügend gesehen wurden.

00:04:45: Manchmal ist es ja nicht nur ein Gefühl, sondern es ist auch einfach ein Fakt.

00:04:49: Aber das Leben, das lädt uns am Ende immer wieder ein, diese alten Muster wirklich zu heilen, indem wir uns immer mehr erlauben oder vielleicht auch viel mehr uns trauen, Hilfe zu empfangen, Hilfe anzunehmen.

00:05:06: Denn nur so durchbrechen wir den Kreislauf, der Isolation.

00:05:12: Und können also diese alten Glaubenssätze auch ein Stück weit neu definieren oder vielleicht auch ein Stück weit überschreiben.

00:05:22: Und nur so können wir am Ende den Kampf gewinnen und nur so können wir uns auch wieder öffnen für das, was uns ursprünglich menschlich macht, für Mitgefühl, für Nähe, für Gemeinschaft.

00:05:36: sehr viele ungesunde Verhaltensweisen basieren darauf, dass wir Angst haben, aus der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden und nicht mehr dazu zu gehören.

00:05:47: Und das ist am Ende ja auch schon evolutionär bedingt.

00:05:53: Früher im Rudel, wenn sich jemand vom Rudel entfernt hat, dann war er einfach nicht mehr sicher.

00:05:58: Weil wenn das Rudel angegriffen wurde, dann waren dort viele, die alle miteinander gekämpft haben, die sich gegenseitig geschützt haben.

00:06:10: Und sobald sich einer aus der Gruppe entfernt hat, war er eben nicht mehr sicher.

00:06:14: Und am Ende ist das immer noch genauso in unserem System ganz, ganz tief verankert, dass wir in einer Gemeinschaft gehören wollen, uns zugehörig fühlen möchten.

00:06:27: Und wenn wir das nicht mehr haben, dann entsteht Unsicherheit und Angst.

00:06:33: Und das Annehmen von Hilfe ist eigentlich ein Zeichen des Vertrauens und damit auch das stille Eingeständnis, ich bin nicht getrennt, sondern ich gehöre dazu, egal wie ich bin, egal ob ich jetzt gerade klarkomme oder ob ich nicht klarkomme, ich bin nicht getrennt und ich gehöre dazu zu einer Gemeinschaft.

00:07:00: zu einer Familie, zu einem Partner oder wie wir das auch gerade definieren wollen für uns.

00:07:09: Ich bin ein Teil eines größeren Ganzen und dieses Ganze, das wirkt durch andere Menschen, die mir dann beistehen, wenn ich es alleine einfach nicht mehr kann.

00:07:24: Und vielleicht ist es eine helfende Hand, die sich mehr entgegenstreckt.

00:07:30: oder eine Antwort auf ein Gebet, das wir längst vergessen haben.

00:07:35: Vielleicht das Mitgefühl eines anderen oder die Stimme des Universums, die uns zuflüstert, hey, du bist nicht alleine.

00:07:44: Und manchmal reicht es auch, wenn einfach sich jemand zu uns setzt und uns und unsere Traurigkeit aushält, ganz ohne ein Wort.

00:07:58: Einfach für uns den Raum hält.

00:08:02: Und diese Hilfe, diese Hand, das Ohr, was uns zuhört, das kann aus dem direkten Umfeld kommen, kann aber auch genauso gut professionelle Hilfe sein.

00:08:17: Das hängt sicherlich so ein bisschen davon ab.

00:08:21: Ja, so mit der Schwere des Ganzen und wie weit wir schon das Ganze alleine getragen haben.

00:08:29: Und wenn wir uns aber erst mal für Hilfe öffnen, dann öffnen wir uns für das Leben selbst.

00:08:37: Wir erlauben uns, dass etwas Größeres durch uns wirkt, durch Begegnung, durch Berührung, durch Trost.

00:08:45: Und das psychologische Sicht ist die Fähigkeit, Hilfe anzunehmen, ein Zeichen emotionaler Intelligenz.

00:08:54: Und sie zeigt, dass wir unsere Grenzen erkennen und Das ist am Ende einfach eine Form von Reife, von einer reifen Selbstwahrnehmung.

00:09:08: Studien der Psychologie zeigen auch, dass Menschen, die bereit sind, ihre Verletzlichkeit zu zeigen, dass die tiefere Beziehungen erleben, mehr Mitgefühl und ein höheres Ohl befinden.

00:09:22: Verletzlichkeit ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Sie ist eigentlich der Ursprung von Verbundenheit.

00:09:31: Und die Neurowissenschaft bestätigt auch genau das, denn wenn wir in Kontakt gehen, wenn jemand uns zuhört und tröstet, aktiviert das den Vargusnerv, unseren Ruhenerv.

00:09:45: Das ist der Teil des parasympathischen Nervensystems, der für Sicherheit Ruhe und Regeneration steht.

00:09:53: Und das bedeutet, Hilfe anzunehmen ist also nicht nur emotional heilsam, sondern es wirkt auch biologisch regulierend.

00:10:05: Also, wenn du dich gerade in einer schwierigen Zeit befindest, möchte ich dich heute einladen.

00:10:11: Schau dich um und erlaube dir, dich halten zu lassen.

00:10:15: Es ist keine Schwäche, um Unterstützung zu bitten.

00:10:18: Es ist ein Akt der Liebe zu dir selbst.

00:10:21: Denn Selbstliebe bedeutet nicht, alles alleine zu schaffen.

00:10:25: Es bedeutet am Ende zu wissen, wann du dich ausruhen darfst und wann du dich anlehnen darfst und wann du jemanden brauchst, der für einen Moment dein Licht hält, weil deins vielleicht gerade droht auszugehen oder flackert.

00:10:46: Wir sind dazu gemacht, einander zu tragen und wenn du heute Hilfe annimmst, dann gibst du damit auch anderen die Erlaubnis genau dasselbe zu tun.

00:11:00: Und vielleicht magst du dich jetzt abschließend noch einmal fragen, oder du kannst dir die Frage auch notieren und vielleicht ein bisschen darüber nachdenken und mal aufschreiben, wo?

00:11:19: in meinem Leben versuche ich gerade, alles alleine zu tragen.

00:11:24: Und was wäre, wenn ich mir erlaube, Unterstützung zu empfangen?

00:11:29: Nicht weil ich schwach bin, sondern weil ich ein Mensch bin.

00:11:34: Denn das ist die Wahrheit.

00:11:36: Du musst es nicht alleine schaffen.

00:11:39: Und du bist nicht alleine.

00:11:41: In einem weiteren kleinen Podcast habe ich zu diesem Thema noch eine Meditation eingesprochen.

00:11:52: Die Meditation heißt die Erlaubnis dich halten zu lassen und vielleicht hast du ja gerade jetzt das Bedürfnis dir in diese Meditation noch anzuhören.

00:12:05: Ich würde mich sehr frei.

00:12:07: Das war's für heute von Mindful Healing To Go.

00:12:11: Wenn es dir gefallen hat, freue ich mich, wenn du mir folgst und eine Bewertung darlässt.

00:12:16: Alle Links, die du genötigst, wenn du mit mir in Kontakt treten möchtest, findest du in den Show Notes.

00:12:22: Ich hoffe, wir sehen und hören uns wieder.

00:12:25: Von Herzen, Patricia.

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